Erzählt und geschrieben von Ilse Fürnkranz-Deroua (NIFA plus-Beraterin der Kolping Bildung und Soziales gGmbH im Main-Tauber-Kreis):
Mit Gips und Aktenmappe – wie NIFA plus Frau A. auf ihrem Weg begleitete
Als Frau A. Ende Januar 2025 in unsere Beratung kam, steckte ihre linke Hand im Gips. Unter dem Arm trug sie eine Mappe voller Schreiben von Krankenkasse, Berufsgenossenschaft und Behörden. Ihr befristeter Arbeitsvertrag als Pflegehelferin war ausgelaufen. Sie war weiterhin arbeitsunfähig und wusste nicht, wie es weitergehen sollte.
Die vierfache Mutter palästinensischer Herkunft war 2019 aus Syrien nach Deutschland gekommen, und hatte sich in Wertheim, Schritt für Schritt ein neues Leben aufgebaut. Sie hatte in unterschiedlichen Jobs gearbeitet, war ehrenamtlich bei der Tafel in Tauberbischofsheim tätig und hatte 2023 eine Stelle als Pflegehelferin gefunden - ein Beruf, den sie sehr gern ausübt.
Im Dezember 2024 kam der jähe Bruch: Auf dem Heimweg rutschte Frau A. bei Glatteis aus und brach sich den linken Daumen. Was zunächst wie ein Unfall wirkte, zog weitreichende Folgen nach sich. Es folgten Krankschreibung und existenzielle Sorgen. Die ab Februar in Aussicht gestellte Vertragsverlängerung war plötzlich kein Thema mehr. Innerhalb weniger Wochen geriet ihr Leben aus dem Gleichgewicht. Zwischen Arbeitslosmeldung, Unfallanzeige und Krankenkasse stand Frau A. einem bürokratischen Dschungel gegenüber, der sie fachlich – und vor allem sprachlich – an ihre Grenzen brachte.
In dieser Lage wendete sich Frau A. an die Integrationsmanagerinnen der Stadt Wertheim. Doch deren formale Zuständigkeit war inzwischen beendet. Sie verwiesen Frau A. an NIFA plus. Von da an begann unsere Beratung. Frau A. wurde nun Schritt für Schritt begleitet:
Zunächst klärten wir mit ihr die Voraussetzungen für den Bezug von Krankengeld. Dabei zeigte sich, dass Arbeitsunfähigkeitszeiten nicht korrekt übermittelt worden waren – die Zahlung für Februar blieb aus. Gemeinsam nahmen wir Kontakt mit der Krankenkasse auf, klärten die fehlenden Nachweise und sorgten dafür, dass die Leistungen gesichert wurden. Auch die Agentur für Arbeit wurde einbezogen. Eine Arbeitslosmeldung war zunächst nicht möglich, da ihre Arbeitsfähigkeit noch nicht geklärt war. Wir begleiteten die Kommunikation, bis nach Ende der Krankschreibung ein Termin vereinbart und die Meldung nachgeholt werden konnte.
Neben der existenziellen Absicherung ging es um Perspektiven. Wir prüften Qualifizierungs-Möglichkeiten, besprachen realistische Schritte und überarbeiteten ihre Bewerbungsunterlagen. Frau A. bewarb sich bei zahlreichen Einrichtungen – zunächst ohne Erfolg. Im Mai erhielt sie dann die Chance auf ein dreitägiges Praktikum im Wohnstift Hofgarten. Die Rückmeldung war positiv, kurz darauf folgte die feste Zusage. Seit Juli 2025 arbeitete sie dort als Pflegehelferin. Die Probezeit bestand sie mit Bravour - seit Januar 2026 ist sie nun unbefristet angestellt.
Der Fall zeigt eindrücklich, wie wichtig individuelle Beratung und kontinuierliche Begleitung sind. NIFA plus half zunächst bei Formularen und Fristen und eröffnete dann konkrete Wege zurück in Arbeit und Stabilität. „Ich hatte viele Probleme. Allein hätte ich es nicht geschafft“ sagt sie später.
Nachsatz: Im März kam Frau Suha wieder zu mir in die Beratung. Sie erzählte mir, dass sie zu Beginn des Monats mit Brustkrebs diagnostiziert wurde. Sie steht jetzt wohl vor ihrem bisher schwersten Kampf.