Symbolbild von Herrn S. - Mann mit Messbrille
Symbolbild für Herrn S.

Erfolgsgeschichte von Herrn S.

Erzählt und geschrieben von Torsten Daul (NIFA plus-Berater der GBE in Pforzheim):

Herr S. kam im März 2022 zum ersten Mal in das NIFA plus-Büro in der Deimlingstraße in Pforzheim. Herr S. kommt ursprünglich aus der Stadt Duhouk in Syrien und ist 35 Jahre alt. Er ist verheiratet und auch seine Ehefrau wird seit 2024 durch NIFA plus begleitet.

Nachdem Herr S. in NIFA plus aufgenommen wurde, klärten wir zunächst in welche berufliche Richtung er gehen wolle. Herr S. konnte einen in Deutschland anerkannten Hochschulabschluss nachweisen und teilte mir mit, dass er gerne eine Ausbildung zum Chemielaborant beginnen würde. In seiner früheren Heimat hatte Herr S. bereits Chemie studiert und war somit eigentlich bereits überqualifiziert. Er hatte jedoch sein Studium nicht beendet, und so stellten wir auch die Überlegung an, ob Herr S. ein erneutes Chemiestudium beginnen solle. Als Ziel wurde festgelegt, das KIT anzufragen und zu recherchieren, welche Unterlagen für ein Studium in Deutschland benötigt werden. Herr S. war in dieser Phase sehr selbständig und lies sich persönlich beim KIT beraten, unter anderem wegen des vom KIT geforderten Sprachkurses. 

Alle benötigten Unterlagen wurden zusammengetragen und online beim KIT Karlsruhe hochgeladen. Nachdem nun alles geklärt war, blieb im Endeffekt nur noch ein Mausklick, um Herrn S. bei der Uni anzumelden. Doch Herr. S hatte viel nachgedacht und teilte mir dann mit, dass er sich das alles doch nicht zutraue. Also dachten wir wieder in Richtung Ausbildung im Bereich Chemie, denn Herr S. wollte unbedingt eines Tages in diesem Bereich seinen Lebensunterhalt in Deutschland verdienen. Ein Leben mit langem Bürgergeldbezug kam für Herrn S. nicht in Frage, - er möchte arbeiten und seine Familie vom eigenen Einkommen ernähren.

Wir erstellten Bewerbungsunterlagen und verfassten viele Bewerbungen. Ein Ausbildungsbetrieb sendete ein Schreiben an ihn zurück, mit der Frage, ob er nicht der Meinung sei, dass er viel zu qualifiziert sei und dass man nicht ganz verstehe, warum er eine Ausbildung in diesem Betrieb beginnen wolle. Herr S. war sehr irritiert über so eine Reaktion. Ich erklärte ihm, dass Ausbildungsbetriebe von anderen Bewerbungen ausgehen und er auch durch sein Alter nicht unbedingt die Zielgruppe der Unternehmen sei. Anschließend coachte ich Herrn S. nochmals zu dem deutschen Ausbildungssystem.

Auf der Suche nach einer alternativen Ausbildung sind wir eher durch Zufall auf den Beruf des Optikers gestoßen. Wir hatten noch humorvoll darüber gesprochen, dass das ein Beruf sei, mit dem sich auch zukünftig immer Arbeitsplätze finden sollten, schließlich lässt im Alter die Sehfähigkeit meist nach. 
Der Beruf des Optikers hat neben der fachlichen auch eine kommunikative Komponente, wie die Beratung von Kund*innen. Herr S. informierte sich weiter über diesen Beruf und schließlich schrieben wir Bewerbungen für Ausbildungsstellen. Wir befanden uns zeitlich mittlerweile kurz vor Ausbildungsbeginn und mussten uns dementsprechend beeilen. Zwei freie Stellen gab es jedoch noch, bei denen sich Herr S. bewarb. Von beiden Optikerbetrieben wurde Herr S. zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Er war sehr nervös und bekam im Vorfeld noch ein Coaching, doch beide Vorstellungsgespräche verliefen positiv. Von beiden Optikerbetrieben wurden Herrn S. Ausbildungsverträge angeboten. Herr S. entschied sich für einen kleineren Betrieb, welcher auch in der Nähe seines Wohnortes ist. 

Durch seine Ehefrau, welche auch NIFA plus-Teilnehmerin ist, gab es immer die Möglichkeit nachzufragen, wie die Ausbildung von Herrn S. voran geht. Herr S. berichtete, dass es für ihn anfangs sehr schwer war, da er Probleme mit einem Mitarbeiter hatte, aber sein Ausbilder war von Anfang an positiv gestimmt. Herr. S überzeugte auch in der Berufsschule durch überdurchschnittlich gute Leistungen und zeigte, dass er seine Berufsausbildung sehr ernst nahm. 
Im Frühjahr / Sommer wir Herr S. seine Abschlussprüfung absolvieren und er ist sehr zuversichtlich, dass er die Ausbildung erfolgreich beenden wird. Von seinem Ausbildungsbetrieb hat er schon die Zusage erhalten, dass er nach bestandener Prüfung im Betrieb übernommen wird. Bald wird Herr S. somit als gelernter Optiker seinen Lebensunterhalt in Deutschland bestreiten können. 

Herr S. bedankte sich zum Schluss nochmals dafür, dass das Projekt NIFA plus ihm die nötige Hilfe gab bezüglich Berufsfindung, dem Abklären von Formalitäten und bei ausländerrechtlichen Fragen sowie weiteren Anliegen. Einen beständigen Ansprechpartner für diese Themen zu haben fördert eine schnelle Integration.

Ein Leben mit langem Bürgergeldbezug kommt für mich nicht in Frage, - ich möchte arbeiten und meine Familie vom eigenen Geld ernähren.

NIFA plus-Teilnehmer Herr S.

Ich möchte unbedingt meinen Lebensunterhalt im Bereich Chemie verdienen. 

NIFA plus-Teilnehmer Herr S.