junger Mann arbeitet in einer Holzwerkstatt

Lokal wie überregional: Arbeitsmarktintegration Geflüchteter braucht die Zusammenarbeit mit der BA

02.10.2025

 

Seit 2022 setzt sich NIFA plus dafür ein, dass geflüchtete Menschen in Baden-Württemberg dauerhaft bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, sowohl durch individuelle Unterstützung als auch durch strukturelle Arbeit auf lokaler und überregionaler Ebene. Schon im Vorgängerprojekt „NIFA – Netzwerk zur Integration von Flüchtlingen in Arbeit“ haben wir erkannt: Berufliche Teilhabe gelingt schneller und nachhaltiger, wenn es vor Ort einen engen Austausch und eine gute Zusammenarbeit mit den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern gibt. Deshalb gibt es seit Oktober 2022 im Rahmen des WIR-Programms eine offizielle Kooperationsvereinbarung zwischen NIFA plus und der Regionaldirektion Baden-Württemberg. Ziel ist es, Geflüchtete direkt zu unterstützen, den Zugang zur regulären Arbeitsförderung zu verbessern und bestehende Ausbildungs- und Arbeitsverhältnisse zu stabilisieren.

Durch die Kooperation soll eine wirkungsvolle Ergänzung der gesetzlichen Angebote der Arbeitsförderung durch die Maßnahmen und Angebote der WIR-Netzwerke in Baden-Württemberg erreicht werden. Ziel ist es, Doppelstrukturen zu vermeiden und zugleich die individuellen Integrationsprozesse der Teilnehmenden optimal zu unterstützen.

An den jeweiligen NIFA-plus-Standorten ermöglicht die enge Zusammenarbeit mit den lokalen Agenturen für Arbeit und Jobcentern, zielgruppenspezifische Benachteiligungen zu verringern und die Teilhabe geflüchteter Menschen an Bildung, Ausbildung und am Arbeitsmarkt nachhaltig zu stärken. So ergänzt NIFA plus die Angebote der Bundesagentur für Arbeit: Während die BA etwa Maßnahmen zur Arbeitsaufnahme fördert, unterstützt NIFA plus die Teilnehmenden bei Fragen der Aufenthaltssicherung. Wo die BA Vermittlungsoptionen eröffnet, begleitet NIFA plus beim Erstellen von Bewerbungsunterlagen. Häufig steht NIFA plus zudem beim Übergang nach einer Schutzanerkennung beim Leistungswechsel von Asylbewerberleistungen zum Bürgergeld zur Seite, ein Prozess, der aufgrund zeitsensibler Antragsverfahren oft gezielte Unterstützung erfordert.

Die Zusammenarbeit ist sehr wichtig, um den Zugang Geflüchteter zu den regulären Angeboten der Arbeitsförderung zu verbessern. So haben Mitarbeitende von NIFA plus bereits zwei Jahre in Folge an den landesweiten Treffen der Migrationsbeauftragten der Agenturen für Arbeit in Baden-Württemberg teilgenommen. Diese werden jedes Jahr von der Regionaldirektion in Stuttgart organisiert. Die Treffen waren für beide Seiten sehr wertvoll: NIFA plus konnte aktuelle Fragen zum Arbeitsmarktzugang beantworten, von den Herausforderungen der Zielgruppe berichten und sich mit den Agenturen über die Umsetzung neuer gesetzlicher Vorgaben und Weisungen austauschen. Gleichzeitig hat auch das Projekt selbst viel aus der Praxis der Arbeitsförderung gelernt, zum Beispiel: Wie eng arbeiten Arbeitsförderung und Ausländerbehörden zusammen? Wie werden Geflüchtete auf die berufsbezogenen Sprachkurse aufmerksam gemacht? Und wann ist die befristete Dauer der Aufenthaltspapiere für die Förderung ein Problem?

NIFA plus konnte in den letzten Jahren viel davon lernen und die entsprechenden überregionalen Angebote, welche in der überregionalen Fachberatungsstelle angesiedelt sind, anpassen. So wurden die Schulungsangebote der WIR-Programme ad hoc evaluiert und neu konzipiert. Die regelmäßige, landesweite WIR-Schulung „Flucht, Asyl, (Aus-) Bildung und Arbeit – Grundlagenschulung zu den rechtlichen Rahmenbedingungen“ für Mitarbeitende in Agenturen für Arbeit und Jobcentern, die gemeinsam mit dem WIR-Netzwerk CHAI – Coaching.Hilfe.Arbeit.Integration durchgeführt wird, ist Bestandteil des Fortbildungsangebots zur Vertiefung der Kenntnisse der Vermittlungs- und Integrationsfachkräfte geworden. 

Die nächsten Schulungen stehen bereits vor der Tür: Am 16. Oktober findet die Schulung für die Jobcenter statt, eine Woche später folgt die Schulung für die Mitarbeitenden der Agenturen für Arbeit. Neben der Grundlagenschulung für neue Mitarbeitende wird im November auch wieder eine Vertiefungsschulung mit dem Schwerpunkt auf den unterschiedlichen Bleibeperspektiven angeboten.

Seit Projektstart 2022 haben bereits über 380 Mitarbeitende aus Jobcentern und Agenturen an den Schulungen teilgenommen. Wir freuen uns sehr auf die kommenden Termine, denn sie bringen auch für die WIR-Netzwerke wertvolle Einblicke in den Beratungsalltag der Arbeitsförderung und zeigen einmal mehr: Ohne diese Zusammenarbeit geht es nicht.