Erzählt und geschrieben von Torsten Daul (NIFA plus-Berater der GBE in Pforzheim):
Frau S. kommt ursprünglich aus Syrien und ist 26 Jahre alt. Ihr Vater ist 2018 aus Syrien geflohen und im gleichen Jahr in Deutschland angekommen. Er floh damals vorerst ohne seine Kinder und Ehefrau nach Deutschland. Für Frau S. war diese Zeit sehr schwierig, da sie kurzzeitig keinen Vater vor Ort hatte und natürlich auch nicht wusste, wie es in Syrien mit dem Rest der Familie weitergehen würde. Sie, ihre Mutter und Geschwister konnten aber 2019 glücklicherweise über den Familiennachzug nach Deutschland einreisen. Für Frau S. war es anfangs sehr schwierig sich in Deutschland zurecht zu finden. Doch ihr war bewusst, dass es keinesfalls eine Rückkehr nach Syrien geben würde, da die Familie keine Perspektive in der früheren Heimat sah.
Die GBE hatte zuerst Kontakt mit ihrem größeren Bruder, der bei der GBE damals im Projekt NIFA beraten wurde. Die gute Zusammenarbeit zwischen GBE und dem Bruder führte dazu, dass dieser Frau S. den Hinweis gab, auch zur GBE zu kommen, um in NIFA aufgenommen zu werden.
Als Frau S. in das NIFA-Büro kam, wollte sie sofort mit einer Ausbildung beginnen. Ihre Motivation war beeindruckend! Die Anerkennung ihres Schulabschlusses (Abitur) konnte erfolgreich durchgeführt werden. Frau S. wollte etwas „Soziales“ lernen, da sie solche Arbeit für sehr wichtig hält. Es wurden u.a. auch Bewerbungen in den Gesundheitsbereich gestellt, z.B. als Medizinische Fachangestellte.
Frau S. war von Beginn an sehr bemüht die deutsche Sprache so schnell wie möglich zu lernen. Ein Deutschkurs genügte ihr nicht, sie wollte auch deutsche Freunde kennenlernen, unter anderem um noch schneller die Sprache zu lernen. Deutsch zu können war ihr sehr wichtig, da sie ohne das Erlernen der deutschen Sprache keine große Möglichkeit sah, sich in Deutschland zu integrieren.
Nach vielen Beratungsterminen, dem Erstellen einiger Bewerbungsschreiben und dem Training für Bewerbungsgespräche erhielt Frau S. eines Tages die Zusage, in einer Reha-Klinik eine Ausbildung als Krankenpflegerin beginnen zu können. Da diese Ausbildungsstätte schwer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen war, gab es anfangs einige Zweifel. Dennoch wollte sie unbedingt die Chance nutzen und startete die Ausbildung. Sie hatte zwar viel Spaß an der Ausbildung, jedoch auch einige Tiefpunkte, u.a. aufgrund der langen An- und Rückreisen mit dem Bus über mehrere Jahre hinweg, die sehr anstrengend waren. Der Ausbildungsbetrieb hatte ihr freundlicherweise angeboten, dass sie aufgrund des weiten Weges etwas später zur Arbeit und in die Schule kommen könne. Die Schule befand sich im Rehazentrum selbst. Frau S. musste auch selbstständig zu Hause noch sehr viel lernen, denn die Fachausdrücke bereiteten ihr große Probleme. Sie hatte wenig Freizeit während ihrer Ausbildung, wollte sie aber unbedingt erfolgreich beenden, da Sie in diesem Beruf für sich eine berufliche Zukunft sah.
Die Abschlussprüfung absolvierte Frau S. mit einem sehr guten Notendurchschnitt und die Rehaklinik gab Ihr das Angebot, sie weiterhin als Krankenpflegerin zu beschäftigen - welches sie gerne annahm.
Auch mit dem Vater von Frau S. steht NIFA plus-Berater Torsten Daul in Kontakt, da dieser derzeit als Reinigungskraft bei der GBE arbeitet und zuvor bei ihm in Beratung war. Herr S. erzählte, wie stolz er sei, dass seine Tochter die Ausbildung beendet habe und nun weiterhin beschäftigt wird.
Als Frau S. nochmal in das NIFA plus-Büro kam, konnte man feststellen, wie enorm sie sich in der Zwischenzeit weiterentwickelt hatte. Stolz berichtete sie, dass sie sich ein Auto gekauft habe, wovon sie schon in der Beratungszeit geschwärmt hatte. Sie ist sehr froh und auch stolz darüber, was sie bisher alles erreicht hat, auch wenn es sehr anstrengend war. Frau S. ist sehr zufrieden mit Ihrem Arbeitgeber und die Arbeit bereitet ihr immer noch sehr viel Freude. Beim gemeinsamen Pressegespräch mit der GBE war Frau S. erst etwas nervös, aber schilderte dann ihre berufliche wie private Lebensgeschichte souverän und voller Emotionen. Sie sprach ihren Dank darüber aus, dass es Projekte und Einrichtungen gibt, welche Hilfestellung für Geflüchtete leisten.
Durch die Vermittlung von Frau S. wird nun auch ihr jüngerer Bruder in NIFA plus beraten. So begleitet die GBE nun auch ein weiteres Familienmitglied auf dem Weg in die Ausbildung.